3. Sonntag nach Epiphanias

 

Haltet eüch nicht selbst für klug / Mus A15:78 

Dein Schade ist Verzweifelt böse / Mus A15:79 

Es heilet sie weder Kraut noch Pflaster / Mus A15:80 

Seelig sind die Friedfertigen / Mus A15:81 

 

 

Haltet eüch nicht selbst für klug / Haltet euch nicht selbst für klug

(3. Sonntag nach Epiphanias, Nr. 1) [23. Januar 1729]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A15:78 / Hs M2 : XIVA  [Cant. spir. 891kk & 891n]

Deckblatt: Haltet eüch nicht selbst für klug \ Dominica 3 post Epiph:[anias] \ 2 Oboe \ Violino 1 \ Violino 2 \ Viola \ Canto \ Alto e Tenor \ Basso \ Con \ L’Organo \ N: 1 \ di \ Stoelzel

Vorhandenes Material: Partitur und Partien

Partitur: [1. Seite:] J.N.J. Dom:[inica] 3 post Epiph:[anias] N. 1

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2, Violino 1 [2x], Violino 2, Viola; Violoncello, Violon, Organo [2x: 1x beziffert, Kammerton; 1x beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Org]

 

 

[1. Choro] 3/8 (allegro) - 4/4, g-moll (tutti)

Haltet eüch nicht selbst für klug

[4/4] Vergeltet niemand böses mit bösen.

[Römer 12,17]

 

[2.] Recitativo secco (S, A, T, B; Bc)

[S] Wenn Eigenlieb ein Hertz bethöret

so sieht es seine Fehler nie.

[A] Doch weiß es tausend laster Flecken,

mit leichter müh

an andern zu entdecken

und das geringste Leid,

daß ihm Vor andern wieder fähret

empfindet es mit Unversöhnlichkeit.

[T] Warum?

Es schmeichelt sich

stets mit gerechter Sache.

[B] In seinen Augen hält kein Recht,

als nur das seine Stich,

drum greifft es Gott ins Richter=Amt,

es straffet und Verdammt,

und nimmt also

dem Höchsten seine Rache.

 

[3.] Duetto 4/4, B-Dur (T, B; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Nicht so mein Hertz lieb du den Frieden,

und halte dich nicht selbst für klug.                         *

Befiehl dem Höchsten deine Sache,

er spricht ja selbst mein ist die Rache

wilst du ihm denn sein Ammt Verbiethen

ist er Vielleicht nicht Richters gnug.                        da capo

 

[4. Rec:[itativo et] accomp:[agnato] (B; a 4; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Mein Gott so dämpff in mir die Triebe,

der kühnen Eigen=Liebe,

daß ich durch Erbarkeit und Frieden,

mich gegen einen jeden,

als ein rechtschaffner Christ beweise,

und dir also den Richter Stab

nicht aus den Händen reiße,

Ja meine Feinde tränck und speise.

[a 4] So werd ich nicht

dem Bösen unterliegen,

das Böse aber wohl,

mit guten stets besiegen.

 

[5.] Choral 4/4, g-moll (tutti)

Verleih daß ich aus Hertzens Grund,

mein’n Feinden mög Vergeben

Verzeih mir auch zu dieser Stund,

schaff mir ein neües leben

dein Wort mein Speiß laß allweg seyn,

damit mein Seel zu nähren,

mich zu wehren,

wenn Unglück geht daher,

daß mich bald möcht abkehren.

[Text: 3. Strophe des Chorals Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, Johann Agricola 1529?; Melodie: Joseph Klug 1535]

 

 

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Dein Schade ist Verzweifelt böse / Dein Schade ist verzweifelt böse

(3. Sonntag nach Epiphanias, Nr. 2) [23. Januar 1729]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A15:79 / Hs M2 : XIVD  [Cant. spir. 891kk & 891n]

Deckblatt: Dominica III post Epiphan:[ias] \ a 8. \ 2 Violini \ 1 Viola \ 4 Voci \ col \ Continuo \ No. II. \ di Sigr. Stoelzel.

Vorhandenes Material: Partitur und Partien

Partitur: [1. Seite:] J.N.J. Dom:[inica] 3 post Epiph:[anias] N: 2.

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Chor [SATB]; Oboe 1, Oboe 2, Violino 1 [2x], Violino 2, Viola; Violoncello, Violon, Organo [2x: 1x beziffert, Kammerton; 1x beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Org]

 

 

[1. Choro] 4/4 (allegro), a-moll (tutti)

Dein Schade ist Verzweifelt böse

und deine Wunden sind unheilbar.

[Jeremia 30,12]

 

[2.] Recitativo secco (S; Bc)

Hat Gilrad,

denn keine Salbe mehr?

Wer soll die Wunden meiner Sünden,

mit Öele lindern und Verbinden,

wo nehm ich Kraut und Pflaster her?

Ist noch mein Trost nicht nah? Ach!

ist kein Artzt nicht da.

 

[3.] Aria 4/4 alla breve, e-moll (S; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Verzweifelt böse ist der Schade

der mir Von Adam angeerbt.                                 *

nichts ist gesund an mir zu finden,

mich hat der Außsatz meiner Sünden,

Vom Haupt bis auf den Fuß verderbt.                  da capo

 

[4.] Recitativo secco (A, T, B, A, T, B; Bc)

[A] Getrost! laß von den Klagen ab.

Weil du dein Aug

im Glauben hast erhoben,

So kömmt die Hülffe dir Von oben.

[T] Dein Jesus geht den Berg herab

[B] Es rühret ihn dein Jammer Stand.

[A] Erreget seine Gnaden Hand.

[T] Er rühret dich mitleidig an.

[B] Diß ist der Artzt,

der alle Krankheit heben kan.

 

[5.] Aria 2/4, a-moll (S; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Herr ich bin dieser Gnade

nicht im geringsten Werth.                                     *

was hab ich Wohl Vor Würdigkeit,

daß du so hülffreich mich erfreüt

und mein Verzweifelt böser Schade,

mich nicht Wie Vor beschWert.                           da capo

 

[6.] Rec:[itativo et] accomp:[agnato] (S, A, T; a 4; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

[S] Doch weil ich deiner Huld,

mich gar nicht würdig schätzen kan,

so habe doch mit mir Gedult,

und sieh mein UnVermögen an

[A] Gieb daß ich meine Kranckheit nie Verschweige,

und solche ungesäumt dem Priester zeige.

[T] Und bin ich dann durch dein Gnade rein

[a 4] So laß mein Hertz Vor dir,

zum Opffer gültig seyn

 

[7.] Choral 4/4, a-moll (tutti)

Kein leiblich Opffer Von mir heisch,

ich hätt dir das auch gegeben

So nimm nun den zerknirschten Geist,

betrübt und traurigs Hertz darneben

Verschmäh nicht Gott, das Opffer mein,

Thu wohl in deiner Gütigkeit,

dem Berg Zion, da Christen seyn,

die opffern dir Gerechtigkeit.

[Text: 5. Strophe des Chorals Erbarm dich mein, o Herre Gott, Erhard Hegenwalt; Melodie: Johann Walter 1524]

 

 

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Es heilet sie weder Kraut noch Pflaster

(3. Sonntag nach Epiphanias, Nr. 2) [22. Januar 1736]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A15:80 / Hs M2 : XIVB

Deckblatt: Dominica III. post Epiphanias \ a 10. \ 4 Voci \ 2. Oboi \ 2 Violini \ 1 Viola \ col \ Fondamento \ No II. \ del \ Signore Stoelzel.

Vorhandenes Material: Partitur und Partien

Partitur: [1. Seite:] J.N.J. Dom:[inica] 3. p.[ost] Epiphan:[ias] 1736. [Duetto, Nr. 5:] „NB. So dank ich dir mit Herz und Mund“ [letzte Seite:] S[oli]D[eo]Gl.[oria]

Partien: Soprano, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2, Violino 1 [2x: 1x Aria Nr. 3: Solo; 1x Aria Nr. 3: tacet], Violino 2 [2x], Viola; Violoncello, Violon., Organo [beziffert, Kammerton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Org]

 

 

[1. Choro] 4/4, B-Dur (tutti)

Es heilet sie weder Kraut noch Pflaster

sondern dein Wort Herr welches alles heilet.

 

[2.] Recitativ:[o] secco - arioso (S; Bc)

Ich armer, habe mich nun lange Zeit,

in Schmertz und Traurigkeit

von Gottes Hand gerührt befunden.

Gleich wie ein Hirsch bey seinen Wunden,

nach frischem Waßer lächzet,

so hab’ ich ängstiglich nach Hülff und Trost geächzet,

weil keiner Kräuter Heilungs Krafft,

kein Pflaster eine Lindrung schafft,

treibt Jesu nicht dein Wort,

nicht dein Allmachts Hand das Elend fort,

[arioso] so bleibt mein Creutz unabgewandt.

 

[3.] Aria 2/4, B-Dur (S; Ob Solo, Vl Solo; Bc)

Jesu dir ist alles müglich,

wenn du willt,                                                      *

Wenn mich Krankheits Weh betroffen

steht zu dir mein eintzigs hoffen,

sprich ein Wort so ists gestillt,

denn der Schluß ist unbetrüglich.                          da capo

 

[4.] Recitativo secco (A, T; Bc)

[A] Was zweifl ich doch

mein Artzt an deinen Willen

du sprachst ja sonst und sprichst annoch,         

ich will es thun,

ja ich will kommen,

dein Wünsche zu erfüllen.

[T] Ist doch wohl keiner Von uns ausgenommen,

der nicht Vor wenig oder langen Jahren,

durch abgewandten Glieder Schmertz,

die starke Hand dein willig Hertz

an sich erfahren

und in errinnrung deßen dankend spricht.

 

[5.] Duetto 3/8, F-Dur (A, T; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Ich danke dir mit Hertz und Mund.                        *

    [d.c.: So dank ich dir mit Hertz und Mund]

Daß ich gesunde Tage zehle

ach mache doch die kranke Seele

von Sünden Außatz auch gesund.                          da capo

 

[6.] Choral 4/4, B-Dur (tutti)

Ich will alle meine Tage,

rühmen deine starcke Hand

daß du meine Noth und Plage,

hast so gnädig abgewand

nicht nur in der Sterblichkeit,

soll dein Ruhm seyn ausgebreit,

ich wills auch hernach erweisen,

und dort ewiglich dich preißen.

[Text: 12. Strophe des Chorals Treuer Gott, ich muß dir klagen, Johann Heermann; Melodie: Wie nach einer Wasserquelle, Genf 1551]

 

 

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Seelig sind die Friedfertigen / Selig sind die Friedfertigen

(3. Sonntag nach Epiphanias, Nr. 2) [27. Januar 1737]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A15:81 / Hs M2 : XIVC

Deckblatt: Dominica III post Epiphaniae \ a 8. \ 4 Voci \ 2 Violini \ Viola \ col \ Organo \ No: 1 \ del \ Signore Stoelzel

Vorhandenes Material: Partitur und Partien

Partitur: [1. Seite:9 J.N.J. Dom:[inica] 3 post Epiph.[anias] zur Epistel. 1737. [letzte Seite:] S[oli]D[eo]Gl.[oria]

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1, Oboe 2do, Violino 1, Violino 1mo, Violino 2.do, Viola; Violoncello [2x], Organo [2x: 1x beziffert, Kammerton; 1x beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Org]

 

 

[1. Choro] 4/4 - 2/4, B-Dur (tutti)

Seelig sind die Friedfertigen

[2/4] Denn sie werden Gottes Kinder heißen.

[Matthäus 5,9]

 

[2.] Recitativ[o] secco (S, A, T; Bc)

[S] Die Welt ein Hauß,

wo Krieges Flammen brennen.

[A] Ein Christen=Hertz sieht anders aus

zieht sich darinn ein Wetter auf;

Sucht es daßelbe bald zu trennen.

[T] Es hemmt die Liebe

den Lauff erregter Eyfer=Triebe,

gleich wie, wenn an des Himmels Bogen,

das Wetter leüchtet, blitzt und kracht,

und er mit Wolcken über zogen.

Die Sonne doch dahinter lacht;

Also stürmt gleich ein Feind,

auf ein friedsames Hertz und deßen Ruh;

sieht es dem Sturen gelaßen zu,

in dem darinn die Friedens=Sonne scheint.

 

[3.] Aria 3/8, g-moll (A; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Mein Gott erfülle meine Seele,

mit Sanfftmuth und Versöhnlichkeit.                           *

Sollt ich aus meiner Stille brechen

durch wieder schelten und durch Rächen

macht ich durch selbst erregten Streit

mein Hertz zu einer Marter Höhle.                             da capo

 

[4.] Recit:[ativo] et accomp:[agnato] secco - acc. - secco (B; 2 Vl, Va; Bc)

Weil ich ein Gottes Kind,

lieb ich den Frieden

wenn sich was wiedriges entspinnt,

will ich doch nicht ermüden

denselben zu erhalten.

[acc.] Will er bey andern auch erkalten,

und man Verfolgt mich ohne Schuld

so sammle ich wie mir befohlen,

durch Wohlthun und Gedult,

den Feind zur Liebe zu erwärmen,

auf deßen Haupt erhitzte Kohlen,

[secco] will er denn ferner schwermen

lenckt sich dem ohngeacht sein harter Sinn

zu keinem Frieden hin,

befehl ich Gott die Sache,

und überlaße ihm die Rache.

 

[5.] Aria 2/4, B-Dur (B; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Will ich mich auch selber rächen,

wähl ich diese edle Art

Flucht der Feind will ich ihn ([Wdhlg.] so will ich) seegnen

und mit Wohlthun ihm begegnen

schilt er Gutes Von ihm sprechen

so bleib ich Vor Streit verwahrt

und kan mich doch selber rächen.

 

[attaca]

 

[6. Choral 4/4, C-Dur (tutti)

Seelig sind die Friede machen

und drauf sehn ohn Unterlaß

daß man mög’ in allen Sachen,

fliehen Hader Streit und Haß

die da stifften Fried und Ruh,

rathen allerseits darzu,

sich auch Friedens selbst befleißen,

werden Gottes Kinder heißen.

[Text: 8. Strophe des Chorals Kommt, laßt euch den Herren lehren (bzw. Kommt, und laßt euch Jesum lehren), David Denicke 1648; Melodie: Wie nach einer Wasserquelle, Genf 1551]

 

 

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