Sonntag nach Neujahr

 

Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden / Mus A14:1

Träume sind nichts / Mus. A 15:65  

 

 

 

Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden / Aus Gnade seid ihr selig worden

(Sonntag nach Neujahr, Nr. 1) [2. Januar 1729]

 

Fundort: Schlossmuseum Sondershausen Mus A14:1 / Hs M1 : XC

Umschlag: [lt. Hennenberg: Joh. Christoph Rödiger] \ Stöltzel \ Kantate \ “Aus Gnaden seid ihr \ herrlich...“

Deckblatt: Dominica post Fest[o] Circumcis[ionis] \ a 8 \ 4 Voci \ 2 Violini \ 1 Viola \ con \ L’Organo \ N: 1

Partitur: J.N.J. Dominica post Fest[o] Circumcis:[ionis] Christi N. 1

Vorhandenes Material: Partitur und Partien

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboe 1,Oboe 2., Violino 1mo / Violino 1, Violino. 2do, Viola.; Violoncello, Violon, Organo [2x: 1x beziffert; 1x beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Org]

 

 

1. [Choro] 2/4, A-Dur (tutti)

Aus Gnaden seÿd ihr seelig worden

durch den Glauben und daßelbe nicht aus eüch,

sondern Gottes Gabe ist es.

[Epheser 2,8] 

 

2. Recitativo secco (S, T, B; Bc)

Sopran: Elender Mensch

du kuntest zwar aus dir

den Todt dir leichtlich geben,

doch aber nicht das Leben.

Tenor: Es mögen deine Wercke sich,

auch noch so sehr beblümen,

so blickt das Schlangen Gifft herfür.

Bass: O woltest du deßelben dich

Vielleicht noch rühmen.

 

3. Aria 6/8, A-Dur (B; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Schweig Von allen deinen Wercken

thu nur was du schuldig bist.                    *

Du mit alle deinem Recht

bist doch ein Unnützer Knecht

der noch Weit mehr schuldig ist

lerne die Vermahnung mercken.               da capo

 

4. Recitativo secco (A, T, A; Bc)

[A] O wäre Gottes Gnade,

dir nicht so freündlich auf gegangen,

es hätte dir der Höllen=Nacht

ein immer während Leid gemacht.

[T]: O hättest du die Reinigung im Bade,

der heiligen Tauffe nicht empfangen

du wärst ein Greül,

in Gottes Augen blieben

dem Fluch und Todt Vor seiner Thüre ruhte.

[A] So aber steht dein Heÿl,

mit Jesu theürem Blute

im Buch des Lebens ein geschrieben.

 

5. Aria 3/4, A-Dur (A; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

Größer noch als unsre Sünde

muß die Gnade Gottes seÿn.                *

Statt daß er uns als Rebellen

solt ein blutig Urtheil fällen

setzt er uns in seinem Kinde

zu des Reiches Erben ein.                    da capo

 

6. Rec:[itativo et] accomp:[agnato] (S, T; a 4; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc)

[S] Schreib diesen Trost mein Gott

mir in das Hertze,

laß deßen Honig sein,

mir hier das Leid Versüßen.

[T] und mach mir ihn ein mahl

zu einer hellen Kertze,

wenn ich das finstre Todes Thal

durchwandern werden müßen

[a 4] So wird mein Tod mir süß,

so geh ich gantz gewiß

zum Erbe meiner Hoffnung heim.

 

7. Choral 4/4, A-Dur (tutti)

Aus Gnaden will ich selig werden,

nur gieb mir einen Vorblick hier

nichts frag ich sonst noch Welt und Erden,

Vermache Du den Himmel mir

ohn ihn ist kein Verheißnes Land,

nur er Versüßt den Pilger=Stand.

 

 

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Träume sind nichts

(Sonntag nach Neujahr, Nr. 2) [8. Januar 1736]

 

Fundort: Sondershausen Mus. A 15:65 / Hs M1, Nr. XB

Deckblatt: Dominica post Fest[o] Circumcis:[ionis] \ a 8. \ 4 Voci \ 2 Violini et 2 Oboi \ 1 Viola \ con L’Organo \ N: 2 di \ Stöelzel

Material: Partitur und Stimmen

Partitur: J. N. J. Dom:[inica] post Fest:[o] Circumc:[isionis] zum Evangelio; [letzte Seite:] S[oli] D[eo] Gl:[oria]

Partien: Canto, Alto, Tenor, Basso; Oboi 1, Oboi 2, Violino 1 [2x], Violino 2 [2x], Viola; Violoncello [nur Nr. 1; obl.], Violon [2x], Organo [2x: 1x beziffert, Kammerton; 1x beziffert, hoher Chorton]

Besetzung: S, A, T, B; Chor [SATB]; 2 Ob, 2 Vl, Va; Bc [Vc, Violon, Org]

 

 

[1. Choro] 4/4, C-Dur (SATB, 2 Vl, Va, Vc obl.; Bc)

Träume sind nichts

und machen doch schwere Gedancken

wo sie nicht kommen aus Eingeben des Höchsten

so halt nichts davon.

 

[2.] Recit:[ativo] et accomp:[agnato] secco – acc. (S, A, T; 2 Vl, Va; Bc)

[S] Will Gott das Wehrte Jesulein

aus des Tyrannen Mörder=Klauen

und deßen Schwert befreyn,

durch Welches Rahel ihre Zarte Zucht,

in Blute zappelnde mit Thränen muste schauen,

so muß zu deßen Flucht

ein Traum Befehl ertheilen.

[A] Drum will ich mich nicht übereilen:

als wenn gar alle Träüm ein Nichts,

wie offt geschichts,

daß sie was gutes prophezeyhn?

[acc., T] Offt sieht der Geist im Schlaff ein Bild,

das von Gefahr für mich erfüllt,

solt ich nicht sorgsam seyn

jen’s, als nachdencklich anzusehn,

und diesem suchen zu entgehn?

Zwar wenn mich etwas träumte,

das sich nicht der Wahrheit räumte;

wies’ ichs als falsch und teüflisch fort,

und hielte mich an Gottes Wort.

 

[3.] Aria 3/8, a-moll (A; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Ich schlaf und lieg in süßen Träumen

weil Gottes Auge für mich wacht.                      *

Will Satan meine Ruhe stöhren

weiß Gott den Anschlag abzukehren

weil auch die Engel bey der Nacht

mich zu beschützen nichts versäumen.               da capo

 

[4.] Recit:[ativo] et accomp:[agnato] secco - acc. (S, B, S; 2 Vl, Va; Bc)

[S] Laß mich mein Gott nicht schämen,

der Ausrichtung der Pflicht,

die man beym Träumen Wahr Zu nehmen.

[B] Ich will mich nicht mit übermaß

in Speiß und Trank erfüllen,

die äusern Sinnen nicht,

besonders das Gesicht,

mit Eitelkeiten stillen,

denn jenes möchte das Gehirn,

Von Dicken Dünsten eingenommen,

der Seelen Arbeit nur verwirren;

und die Einbildungs=Krafft

wenn ihr Viel Sündlichs Vorgekommen,

mit Bildern solcher Eigenschafft

des Nachts ein schlimmes Nachspiel machen

und auch wohl fürchterliche Sachen,

die Ursach eines Schenckens seyn.

[acc., S] Drum nehm’ im Schlaf mich zu erfreun,

des Tages über

Viel Lieber Was gutes für,

und denck ans Himmlische,

daß wenn es Gott gefiele,

ich hier in einem Sinnen Spiele,

im Traum des Himmels Schönheit seh.

 

[5.] Aria 2/4, C-Dur (S; 2 Ob, 2 Vl; Bc)

Ich bitt um keine Nachtgesichte

mein Gott bey meinen Schlaffen gehen.                 *

Doch will ich dir die Hand nicht binden

läst du mir für Gefahr und Sünden

im Traum Verwarnungs Bilder sehn

schadts nicht wenn ich darnach mich richte.          da capo

 

[6.] Choral 4/4, C-Dur (tutti)

So will ich denn nun schlaffen ein,

Jesus in deinen Armen

Dein Aufsicht soll die Decke seyn,

mein Bette dein Erbarmen

mein Kißen deine Brust,

mein Traum die süße Lust,

die aus dem Wort des Lebens fleust,

und dein Geist in mein Hertz eingeüst.

[Text: 7. Strophe des Chorals Der lieben Sonne Licht und Pracht, Christian Sciver 1684; Melodie: Gesangbuch Freylingh. 1704, Nr. 614]

 

 

 

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